Wenn Angehörige an Krebs erkranken …

… dann kann sich auch das eigene Leben grundlegend verändern. Im Bestreben, jede mögliche Unterstützung zu leisten, verausgaben sich die Angehörigen der Patienten häufig. Wichtig ist, die persönlichen Grenzen im Blick zu behalten und nötigenfalls selbst Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Eine Krebsdiagnose wirft in der Regel nicht nur das Leben der Erkrankten aus der Bahn. Auch dem direkten sozialen Umfeld – Familie, Lebenspartner, Freunde, Kollegen – fällt der Umgang mit dem Schock und der neuen Situation meist nicht leicht. Insbesondere die engsten Angehörigen und Freunde stellen dann nicht selten alle persönlichen Bedürfnisse zurück. Priorität hat es, der betroffenen Person beizustehen und alles dafür zu tun, dass sie die Zeit der Erkrankung möglichst unbeschwert durchleben kann. Auch wenn das auf Kosten der eigenen psychischen Gesundheit geht.

Dass diese unter der anhaltenden Belastung Schaden nehmen kann, lässt sich verschiedenen wissenschaftlichen Studien entnehmen. Dabei hängt es stark von der individuellen Situation und dem persönlichen Verhältnis der involvierten Personen ab, welche Belastungen auftreten. Zudem bestimmt natürlich auch die jeweilige psychische Verfassung über den Umgang mit den enormen Herausforderungen.

Es gibt jedoch einige sehr häufig auftretende Faktoren, unter denen Angehörige und Freunde von Krebspatienten leiden:

  • Wie redet man miteinander? In der Kommunikation kommt es oft zu Unsicherheiten, besonders wenn offene Gespräche (inklusive Eingeständnis von Hilfebedürftigkeit) zuvor selten gepflegt wurden. Frage ich genug nach, oder überschreite ich schon die Grenzen der Diskretion? Sollte ich Ratschläge erteilen? Inwiefern sollte das „normale Leben“ in den Gesprächen weiter vorkommen, um sich nicht nur um die Erkrankung zu drehen? Solche Fragen können zu stetiger Anspannung und dem Gefühl, der angestrebten Helferrolle nicht gerecht zu werden, führen.
  • Die eigenen Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung werden oft verborgen, um die erkrankte Person nicht zusätzlich zu belasten. Viele Angehörige und Freunde wollen jederzeit eine „starke Schulter“ zum Anlehnen bieten, auch wenn sie sich selbst schwach fühlen. Das kann die Psyche ebenfalls bedrücken.
  • Manche Krebspatienten nehmen die Erkrankung zum Anlass, in ihrem Leben „aufzuräumen“ und die Schwerpunkte neu zu setzen. Das kann auch soziale Beziehungen beeinflussen, positiv wie negativ.
  • Tendiert die erkrankte Person dazu, sich (zeitweise) zurückzuziehen, kann das auf Angehörige und Freunde wie eine persönliche Zurückweisung wirken. Auch wenn es erklärtermaßen auf einem allgemeinen Bedürfnis nach Alleinsein und Ruhe basiert.
  • Falls vor der Krebserkrankung körperliche Intimität üblich war, kehrt nach der Diagnose oft Unsicherheit ein. Das richtige Maß zwischen aktiver Suche nach körperliche Nähe und Zurückhaltung, um nicht zu drängen, ist schwierig zu finden. Zudem kann es sich im Laufe der Zeit ändern.

 

Wichtig: reden und bei Bedarf Hilfe suchen

Viele Probleme und Unsicherheiten lassen sich ausräumen, wenn man sich offen darüber austauscht. Das ist jedoch – unter anderem aus oben genannten Gründen – nicht immer möglich. Zudem gibt es Belastungen, an denen auch die offenste Kommunikation nichts ändern kann. Das gilt besonders, wenn die krebskranke Person gepflegt werden muss. Pflegende sind nicht nur seelisch, sondern auch körperlich häufig extremen Strapazen ausgesetzt. Nicht zuletzt, weil im Regelfall die alltäglichen Verpflichtungen weiterhin abgearbeitet werden müssen.

Bevor diese Belastungen zu gravierenden Einbußen an Lebensqualität und psychischer Gesundheit führen, sollte Hilfe in Anspruch genommen werden. Dazu kann man zum einen die behandelnden Mediziner ansprechen – das Einverständnis der erkrankten Person vorausgesetzt. Zum anderen leisten auch die Sozial- und psychologischen Dienste in Kliniken sowie die psychosozialen Krebsberatungsstellen nicht nur den Patienten selbst Unterstützung. Derartige Beratungsangebote sind in der Regel kostenfrei. Eine lohnenswerte Anlaufstelle sind zudem Selbsthilfegruppen wie INKA – das Informationsnetz für Krebspatienten und Angehörige. Pflegenden stehen darüber hinaus weitere Beratungsdienste offen, über die die Pflegekassen jeweils informieren. Empfehlenswert ist zur Einführung die kostenlose Broschüre „Entlastung für die Seele – Ein Ratgeber für pflegende Angehörige“, die von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen e. V. und der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung e. V. zusammengestellt wurde.