So verstehen Sie Arztbriefe besser

In Arztbriefen, Untersuchungsberichten und Krankenakten tauchen häufig Fachbegriffe auf, die vielen Patienten nicht geläufig sind. Wir erklären die wichtigsten mit besonderem Fokus auf die Erkrankung Krebs.

Wenn medizinische Unterlagen sich an Fachpersonal richten, wird auf die Allgemeinverständlichkeit in aller Regel wenig Rücksicht genommen. Das gilt auch für krebsmedizinische Berichte und Befunde. Aber natürlich möchten die meisten Patienten sämtliche sie betreffenden Angaben verstehen. Zum einen, um für anstehende Entscheidungen umfassend informiert zu sein bzw. um die Entscheidungen der Behandler besser nachvollziehen zu können. Zum anderen, um ein möglichst vollständiges Bild der eigenen Situation zu erhalten.

Das folgende Kurz-Glossar führt die wesentlichen krebsmedizinischen Fachbegriffe auf, die in Krankenakten, Arztbriefen, Untersuchungsbefunden und ähnlichen Dokumenten verwendet werden. Oftmals werden sie im Rahmen der Tumorklassifikation mit Buchstaben abgekürzt; diese finden sich in Klammern hinter den Schlagwörtern.

Histopathologisches Grading (G)

Das histopathologische Grading gibt an, zu welchem Grad sich das Gewebe des Tumors von normalem Gewebe unterscheidet. Untersucht wird dabei, inwieweit verdächtige von gesunden Zellen abweichen. Die Spanne reicht von G1 (weitgehend normale, gut differenzierte Zellen) bis zu G4 (schlecht entwickelt und wenig differenziert, also für ihre Aufgabe wenig spezialisiert). Das bedeutet, je stärker die Krebszellen entartet sind, desto bösartiger ist der Krebs. Ein X weist darauf hin, dass keine Einordnung möglich ist.

Multimodale Therapie (y)

Wird einem pathologischen Befund ein y vorangestellt, weist das auf eine vorausgegangene multimodale Therapie hin. Multimodal bedeutet, dass verschiedene Therapien kombiniert werden bzw. wurden, z.B. eine Strahlen- oder Chemotherapie vor einer Operation erfolgt ist.

Multiple Tumoren (m)

Wenn in einem Organ mehrere Tumoren entdeckt werden, spricht man von multiplen Tumoren. Sie werden bei der Angabe zur Tumorausbreitung (T) durch ein nachgestelltes m oder durch die Anzahl der Tumoren in Klammern wiedergegeben.

Pathologischer Befund (p)

Einerseits werden krankhafte Veränderungen als pathologisch bezeichnet; steht im Arztbericht „o. B.“ oder „o. p. B.“, so heißt das „ohne (pathologischen) Befund“, also ohne besorgniserregende Auffälligkeiten. Andererseits gibt es die Fachrichtung der Pathologie, die Gewebeproben auf krankhafte Veränderungen untersucht. Ihre Resultate werden pauschal als „pathologischer Befund“ bezeichnet, auch wenn sie in manchen Fällen keine krankhaften Veränderungen (Pathologien) aufdecken.

Progression

Wenn ein Tumor trotz Therapie weiterwächst, nennt man dieses Fortschreiten der Erkrankung Progression.

Remission

Remission bezeichnet den Rückgang der Krebserkrankung nach einer Behandlung. Ein Patient in Remission zeigt keine Krankheitszeichen mehr, ohne schon als sichergeheilt gelten zu können. Bei einer Vollremission sind mit den üblichen Methoden keine Krebszellen mehr aufzuspüren. Eine Teilremission bedeutet eine Besserung, d. h. der Tumor ist kleiner geworden und verursacht weniger Symptome.

Residualtumor (R)

Ein Residualtumor oder Resttumor ist nach einer Krebsoperation im Körper verbleibendes Tumorgewebe. R0 bedeutet, dass keines mehr gefunden wird; bei R1 lassen sich mikroskopisch, bei R2 mit bloßem Auge (auch beispielsweise auf Röntgenaufnahmen) Tumorreste erkennen; RX heißt, dass keine Aussage über eventuelle Residualtumoren getroffen werden kann.

Rezidiv (r)

Rezidiv bedeutet Rückfall nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung, also das erneute Auftreten von Krebszellen nach einer vorübergehenden Heilung.

Therapie: kurativ, palliativ, adjuvant, supportiv, Salvage, First-/Second-Line

Unter den Krebstherapien unterscheidet man zwischen kurativen (die langfristige Heilung anstrebenden) und palliativen (bei Nichtheilbarkeit zur Verlangsamung des Fortschreitens und zur Symptombekämpfung). Adjuvante Therapien unterstützen und ergänzen eine zuvor erfolgteoperative Entfernung des Tumors, wie z. B. eine Chemotherapie nach einer Operation. Auch supportive sind unterstützende Therapien, richten sich aber nicht gegen den Krebs selbst, sondern gegen Begleitsymptome oder Therapienebenwirkungen. Eine Salvage-Therapie(„Rettungstherapie“) kommt zum Zuge, wenn die Standardmethoden nicht erfolgreich waren oder nicht angewendet werden können. Als First-Line-Therapie (Erstlinientherapie) wird die zuerst gewählte Behandlung bezeichnet, als Second-Line-Therapie (Zweitlinientherapie) eine nachfolgende, wenn die erste ohne durchschlagende Wirkung blieb.

TNM-Klassifikation

Das TNM-System gibt an, wie weit sich der Krebs im Körper ausgebreitet hat. T steht für Tumor, N für Lymphknoten (Nodus) und M für Metastasen. Diese Buchstaben werden jeweils mit Zahlen für die Ausdehnung der Erkrankung versehen. So gibt es T1 bis T4, oftmals noch untergliedert mit den Kleinbuchstaben a bis d, die die Größe und Ausbreitung des jeweiligen Primärtumors (T) näher beschreiben. Das Kürzel Tis bezeichnet Krebs-Frühformen (is für „in situ“, also quasi an Ort und Stelle, ohne sich bisher ausgebreitet zu haben). Der Befall der regionären, also einem bestimmten Organ oder einer Körperregion zugehörenden Lymphknoten wird mit N0 bis N3 angegeben. NO wird verwendet, wenn keine Lymphknotenmetastasen nachweisbar sind. M1 schließlich bedeutet, dass Fernmetastasen entdeckt wurden, d. h. dass Krebszellen auch in anderen Körperregionen oder Organen vorhanden sind; M0 kennzeichnet das Gegenteil. Je geringer die Ausbreitung der Krebszellen im Körper ist, desto besser sind in der Regel die Chancen auf Heilung.

Sind Sie hier nicht fündig geworden? Der Krebsinformationsdienst bietet eine umfassende Übersicht über gebräuchliche krebsmedizinische Fachbegriffe und Kürzel.